Wie aussagekräftig sind die vom HLNUG (Hessischen Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie) ermittelten Messdaten zur Luftqualität in Limburgs Innenstadt? Lassen sich aus den sehr interpretationsbedürftigen Messwerten angemessene Schlüsse für die Verkehrspolitik ziehen?  

Ein NNP-Interview vom 09.09.2020 mit dem beim HLNUG zuständigen Dezernatsleiter Prof. Jacobi habe ich zum Anlass genommen, um ein Schreiben an die genannte Behörde zu verfassen, mit der Bitte, diese zwei Kernfragen zu beantworten. Hintergrund meines Anliegens: Das drohende Dieselfahrverbot, welches das Verwaltungsgericht verhängen kann, wenn die gemessenen Stickstoffdioxidwerte nicht sinken. Da dieses Fahrverbot massive negative Auswirkungen auf den Einzelhandel und die Innenstadt hätte, darf es nicht allein auf Basis wind- und wetterabhängiger Messwerte verhängt werden.   

Den vollständigen Text der Mail an Herrn Prof. Dr. Stefan Jacobi finden Sie nachfolgend:

Sehr geehrter Herr Professor Jacobi,

vielen Dank für Ihr Interview mit der Nassauischen Neuen Presse am 9.9., das ich mit großem Interesse gelesen habe. Viele Limburger können nicht voll nachvollziehen, welche Rolle insbesondere die Luftmessstation an der Schiede spielt. Vor dem Hintergrund eines drohenden Dieselfahrverbotes gibt es einen hohen Informationsbedarf, zu dessen Deckung Sie mit dem NNP-Interview beigetragen haben. Ich kann Ihre diesbezüglichen Erläuterungen gut nachvollziehen, habe aber noch zwei Fragen zur Interpretation der Daten. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir darauf kurz antworten könnten bzw. die entsprechenden Zusatzinformationen im Rahmen Ihrer Öffentlichkeitsarbeit auch öffentlich bekannt machen würden. 1) Die Limburger haben beobachtet, dass die Stickstoffdioxid-Werte, wie Sie vom HLNUG veröffentlicht werden, im Zuge des Corona-„Lockdowns“ nur wenig zurückgegangen sind – wenn überhaupt. In einer früheren Stellungnahme des HLNUG wird dies auf eine Änderung der Windrichtung zurückgeführt, wodurch die NO2-Werte just während des Lockdowns erhöht worden seien. Sie sagen in dem NNP-Interview: „Die Wetterverhältnisse und auch die kleinräumigen Transportprozesse in einer Straße können einen großen Einfluss auf die dort gemessenen Luftschadstoffwerte haben.“ Für mich als Laie ergibt sich daraus die Frage, welche Aussagekraft diese Werte dann haben – gerade auch in Bezug auf das Verwaltungsgerichtsverfahren und das drohende Dieselfahrverbot? Was ist, wenn wir als Limburger zwar verkehrspolitisch „alles richtig machen“, die Wind- und Wettersituation die Werte an der Schiede aber hochtreibt? Sind die Grenzwerte (Jahresmittelwert 40/maximale Stundenmittelwerte 200) vor diesem Hintergrund noch haltbar? 2) Die NNP zitiert Sie außerdem mit der Aussage, die NO2-Werte (an der Schiede?) seien um 13% zurückgegangen. Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um einen „wetterbereinigten“ Wert handelt – andernfalls hätte der Wert wegen des großen Einflusses des Wetters und der Windrichtung ja auch keine Aussagekraft. Meine Frage ist: Wenn bei einem fast vollständigen Erliegen des öffentlichen Lebens und des motorisierten Straßenverkehrs, wie es von Mitte März bis Anfang Mai zu beobachten war, der Schadstoffwert nur um 13% zurückgeht, wie groß ist dann der Einfluss des motorisierten Straßenverkehrs auf die Luft(un)reinheit? Für mich als Laie jedenfalls scheint der Einfluss vernachlässigbar zu sein, denn der Straßenverkehr ist um einen hohen zweistelligen Prozentsatz zurückgegangen, die Luftbelastung aber nur um 13%. Oder anders gefragt: wenn die Stadt Limburg weiter Maßnahmen ergreift, die zu einer dauerhaften Senkung des Verkehrs auf das „Corona- Niveau“ führen, dann werden die Grenzwerte scheinbar immer noch überschritten, weil eine Senkung um 13 Prozent nicht ausreicht. Ich freue mich über Ihre Rückmeldung und wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße aus Limburg

Stefan Laux